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UNVERGESSEN: LISI RAMOSER

Die Grünen Verdi Vërc trauern um ihre wunderbare Moderatorin, Mitstreiterin und Freundin Lisi Ramoser, die uns am 11. Juli für immer verlassen hat müssen. Lisi hat einen festen Platz in unseren Herzen.


Die Grünen Frauen starten in Erinnerung an Lisi Ramoser eine Spendenaktion zur Unterstützung der Vereinen Frauen-Nissà und Medica Mondiale. Um mehr zu erfahren, clicken Sie hier.


Als Freundin, Kollegin und Mitstreiterin hat Brigitte Foppa eine Rede für die Trauerfeier verfasst:


"Im Juni vor ziemlich genau zwei Jahren saßen Lisi und ich in ihrem Büro und bastelten an unserer Amtshomepage. Ich hatte ein Kilo Kirschen gekauft und wie zwei Kinder schlugen wir uns den Bauch voll. Am selben Abend erfuhr Lisi die Diagnose, den wahren Grund für ihre seit Monaten währenden Magenschmerzen. Im Nachhinein habe ich oft an diesen Tag gedacht, an unser unbeschwertes Futtern, das es von diesem Augenblick an nie mehr gegeben hat.


Es war eine Wetterscheide in Lisis Leben.


Für mich, die ich nur eine von vielen Wegbegleiterinnen war, war es ein Schritt des ultimativen Erwachsenwerdens. Denn von da an war klar, dass es einen Unterschied gibt zwischen all jenen, die sich jeden Tag vormachen können, ihr Leben sei noch ein langes – und jenen, die der Wahrheit unserer Endlichkeit ins Auge sehen müssen.

Lisi gehörte nach dem Kirschennachmittag zu dieser zweiten Gruppe von Menschen – und sie hat uns lernen lassen. Vielleicht wirkte da die passionierte Erwachsenenbildnerin, vielleicht wirkte einfach nur eine unheimlich starke, erwachsene, bewusste und vor allem warmherzige Frau. Die uns, immer in erträglicher Dosis und für jede/n von uns wie auf Maß geschneidert, Anteil nehmen ließ an ihrem Schicksal und uns lernen ließ davon.


Lernen, dass es dem Schicksal auch dann in die Augen zu schauen gilt, wenn es weh tut.


Lernen aber auch, dass wir manchmal etwas bei Seite schieben können oder müssen, um das Leben voll leben zu können.


Lernen, dass es das Leben in jedem Fall zu leben gilt und dass es dazu manchmal auch Tricks braucht – und eine Portion Humor und glatt auch Frechheit und Lust zur Herausforderung.


Lernen, dass jede Phase Schönes birgt (in der schlimmen Zeit der Chemotherapie konnte sie ihrem neuen Kopftuch-Look einiges abgewinnen)
Lernen, dass jede für sich verantwortlich ist.

Aber das war es nicht. Denn es war letztlich auch das Lernen, dass das Leben (und das Sterben) ein Geheimnis ist, hinter das wir nicht zu kommen vermögen.


Nach Weihnachten saßen wir auf einer Bank in St. Magdalena – und Lisi trauerte um die Zeit, die ihr nicht zu leben vergönnt war. Um das Alt-werden. Ich sagte zu ihr, dass ich es immer schon im Gefühl hatte, dass ich nicht alt würde – worauf sie antwortete, dass sie von sich hingegen immer gespürt hätte, dass sie 90 würde!


Die bitterste Lehre also: Wir haben es nicht in der Hand – und wir haben es (leider, oder vielleicht auch zum Glück) auch nicht im Gespür. Mit ein Grund, die Pfründe, die uns mitgegeben sind, gut zu verwalten. So stand es in einem der Bücher, die wir in unserer Frauenlesegruppe gelesen haben. Lisi hat uns auch das ganz wunderbar vorgemacht.


Ihre wirklich nicht leichte Biografie immer und immer wieder umgepolt in einen bewundernswerten Weg. Mit Begeisterung immer wieder neu begonnen , neue Ziele gesetzt, neue GefährtInnen gefunden, neue Erfolgsgeschichten geschrieben, neue Gründe zum gemeinsamen Feiern gefunden und neue Freude am Wirken aufgebracht.

In vielen Rollen habe ich Lisi lieben und bewundern dürfen.
Als athletische schwarze Pantherin, die ihre Krallen nur für die Schwachen und Benachteiligten ausfährt und ansonsten ihre Großkatzennatur eher beim friedlichen und genussreichen Sonnesitzen auslebt. Als phantastische Projektmanagerin, die beim Plan anfängt und ihn auch konsequent durchzuziehen vermag, auch wenn es Widrigkeiten oder Resistenzen gibt. Als stolze Mutter, die ihre Tochter vorbehaltlos liebte und, von der sie wie sie sagte, schamlos und selbstvergessen schwärmte. Als Partnerin, als Freundin, als Kollegin, als Schwester im Geiste und im Herzen (das war sie wohl vielen von uns!).

Am meisten bewundert hab ich Lisi aber in einer ganz bestimmten Rolle, nämlich als Moderatorin.


Sie hat unzählige Klausuren, Versammlungen, Sitzungen moderiert und auch uns Grüne damit viele Klippen zu umschiffen geholfen.
Lisi war die perfekte Moderatorin. Dazu brachte sie die wichtigsten Voraussetzungen mit: Präzision in der Vorbereitung, eine detailfreudige und gescheite Planung, ein unendliches Methodenrepertoir, eine kritische Zielsetzungsstrategie, professionelles Vorgehen…. Vor allem aber moderierte sie so perfekt, weil sie einen kompromisslosen Gerechtigkeitssinn hatte. So nahm sie immer wieder jenen das Wort (auch mir!), die sich in Monopolisierungsaktionen verstiegen, die sich ausbreiteten, undiszipliniert waren. Und erteilte es jenen, die warteten, sich an die Reihenfolge hielten, die nicht unterbrechen wollten oder sonstwie zu kurz gekommen wären ohne sie.


Und noch eine wunderbare Eigenschaft brachte Lisi in ihre Moderationen ein: jene der stillen Protagonistin. Als Moderatorin gestaltet man nämlich den Ablauf von A-Z. Aber niemand merkt es. Denn die Moderatorin spielt nicht die erste Geige, sie nimmt sich zurück und erlaubt es den anderen, gerade durch ihre Präsenz, das beste aus sich zu holen und in die Diskussion zu bringen.
In dem lag Lisis wunderbare und einzigartige Stärke.


Eine ihrer wunderbaren und einzigartigen Stärken. Die wir alle in vielen Augenblicken wiederfinden werden, wenn wir das gemeinsam Erlebte darauf hin überprüfen möchten.


Ja, denn sie hat es geschaftt, wirklich und immer wieder in jeder von uns das Beste an die Oberfläche zu holen. So hat sie in jeder von uns eine Geschichte hinterlegt, die uns an sie bindet und die uns auch aneinander bindet, gebunden hat, gerade in den Monaten ihres Leidens.


Vieles haben Lisi und ich besprochen aber ich weiß nicht, welches ihr Konzept von Unendlichkeit war und ist. Meines geht davon aus, dass unser Weiterleben in dem besteht, was wir in den anderen Menschen hinterlegen und was die anderen weiter tragen.


In diesem Sinne glaube ich an die vielen Geschichten, die Lisi in uns allen hinterlegt hat und derer wir hoffentlich würdig sind, sie weiter zu tragen.
Jede, jeder von uns zu einem Teil/jede und jeder von uns im besten Teil von uns.


Dort drin, in unserem innersten Schatzkästchen werden wir alle Lisis Erbe durch die Zeit tragen, die uns vor und nach unserem jeweiligen Kirschenessen beschieden ist.

Danke Lisi und pfiati.

Brigitte Foppa"


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